Deutschunterricht am Weinstand

 

Urlaub war angesagt. Daher verbrachte ich den Tag damit, alles zu erledigen, was liegen geblieben war. Und da heute schönes Wetter war, begab ich mich abends, nach getaner Arbeit an den Weinstand. Diesmal trank ich mein Gläschen Wein in einer fröhlichen Runde von drei Rentnern, wobei einer von denen mich besser kannte, und daher die anderen warnte: „Vorsicht, die (damit meinte er mich) unterhält sich zu viel!“

„Na“, antwortete ich, „wir sind in Hessen, also babbele ich zu viel. In Hessen unterhält man sich nicht, in Hessen babbelt man, und hier haut man auch nicht, hier batscht man.“

„Oh“ widersprach mein Nachbar, „ich batsche mich nicht, wenn dann haue ich richtig.“

„Gibt es da einen Unterschied?“, fragte ich.

„Natürlich, ich batsche nicht, bei mir wird richtig gehauen!“

„Kennst du denn dann die Vergangenheit von ‚hauen’?“

„Nein, sag?“

„Hieb!“

„Wo hast du denn das her?“, fragte der Rentner, der vor mir gewarnt hatte.

„Aus dem Duden.“

„Und wie ist es mit der Bibel, da gab es doch zwei, die sich geschlagen haben?“, fragte der Herr, der nur richtige zuhaut.

„Ja, Kain und Abel, der eine hat den anderen erschlagen.“

„Und warum steht da: ‚Er erschlug ihn?’“, fragte er mich.

„Weil das geschriebene Sprache ist. Wenn ich meinem Freund sagen will, dass ich einkaufen war, sage ich, ich habe eingekauft. Und wenn ich in einer Geschichte aus dem Rheingau einkaufen war, dann schreibe ich: ‚Ich kaufte ein’“

Jetzt war auch der Rentner, der vor mir gewarnt hatte, neugierig geworden: „Und wie ist es mit dem Schiedsrichter beim Fußball: Hat der nun abgewunken oder abgewinkt?“

„Also, vor der Rechtschreibreform hat er abgewunken, heute, nach der Reform kann man beides sagen, also kann er auch abgewinkt haben.“

 

Soll noch einmal jemand sagen, am Weinstand wird nur Blödsinn gebabbelt.