Frau Entz muss in das Dschungelcamp

 

Mein Freund zappt gerne. Eines Abends saßen wir gemeinsam am Fernseher und mein Freund hielt bei der Sendung: „Dschungelcamp“ an. Auf dem Bildschirm wälzten sich Kandidaten im Matsch, durften bei der Mahlzeit zwischen lebenden Mehlwürmern und gekochtem Hirschhoden wählen (wobei ich wohl mit Genuss den Hoden genommen hätte, denn so eine Sendung kann nur einem Mann einfallen) und mussten zwei höchst überhebliche Moderatoren erdulden. Unsere Kommentare gingen dann in die Richtung, was wohl schlimmer wäre, die Moderatoren zu ertragen oder die Mehlwürmer zu fressen.

 

Einige Tage später, als ich meine Emails checkte, hatte ich eine Botschaft von einem Bekannten in meinen Mails: Jemand hätte einen Kommentar über mich in facebook gestellt. Ich klickte mich rein und sah, dass ein Bekannter bei einer Diskussion über die Sendung Dschungelcamp geschrieben hatte: „Frau Entz muss in das Dschungelcamp.“

 

Ich antwortete: „Ich war schon im Dschungel, aber Mehlwürmer musste ich dabei nicht fressen.“

Da kam die neugierige Antwort: „Wo warst du denn.“

Meine Antwort: „Mein Ex war Entwicklungshelfer und den habe ich begleitet. Und bei dieser scheußlichen Sendung würde ich sowieso nicht mitmachen. Ich bin froh, dass ich bei den Franzosen lernen durfte: Das war zwar viel Arbeit, aber Mehlwürmer musste ich nicht fressen.“

„Ach, das ist doch nur eine Sendung. Die werden alle dafür hoch bezahlt.“

„Ja, trotzdem. Wissen die Autoren nicht, dass in den Viechern noch Bakterien stecken können, die unbekannte Krankheiten hervorrufen. Ebola soll auf diese Weise übertragen werden – die Afrikaner müssen die Tiere fressen, weil sie nichts zu beißen haben, und die Reichen hier machen das freiwillig.“

„Na, die kriegen meistens einen guten Job danach.“

„Ist schon traurig, in einem Land zu leben, in dem man/frau für ehrliche Arbeit weniger verdient als wenn man sich öffentlich demütigt und Mehlwürmer frisst.“

 

Einige Wochen später las ich zufällig in der Bildzeitung, dass alle Kandidaten aus dieser Sendung inzwischen hoch bezahlte Stellen gefunden hatten. Ich musste an meine ewigen Zeitverträge für meine soziale Arbeit und meinen jahrelangen ehrenamtlichen Einsatz denken, und dass man für solche Arbeit anscheinend in Deutschland keine Stelle bekommt. Daraufhin beschloss ich, mich wieder in Frankreich zu bewerben.