Konsequenzen aus meiner Vertreibung

 

 

Am Dienstag vor Fronleichnam kam der Brief. Abends, als ich nach Hause kam, sagte mir mein Freund, es wäre ein Brief im Briefkasten, er solle mir Bescheid sagen. Ich eilte zum Briefkasten und fand einen gelben Brief vom Amtsgericht.

Man teilte mir den Termin für eine gütliche Einigung: mit der Gegenpartei, d.h., dem neuen Vermieter, am Freitag, der 16. Juni nach Fronleichnam, mit. Toller Termin! Im Prinzip hatte ich also nur noch den morgigen Tag, um beim Lebensraum Bescheid zu sagen, dass ich eine Begleitung für diesen Termin brauche.

 

Dies tat ich auch am nächsten Morgen: Es dauerte, bis man mich zurückrief, da anscheinend keiner ans Telefon gehen wollte. Meine Betreuerin, die mir zugeteilt war, hatte sich sowieso eine Woche vorher in den Urlaub verabschiedet, so dass es sich nicht lohnte, sie anzurufen.

Am späten Nachmittag teilte man mir mit, dass die meisten, beim Lebensraum doch recht gut bezahlten Sozialpädagogen, am Freitag Urlaub hätten, und die, die kämen, alle wichtigere Termine. Ach so! Ein Termin vor dem Amtsgericht ist also nicht wichtig!!

Ich antwortete ein wenig ironisch, dass ich bei meinem ehemaligen europäischen Träger immer eine Vertretung anfordern konnte, wenn dies nötig gewesen war, allerdings wäre das auch die Wirtschaft und jemand mit meiner Erfahrung wird ja hier in der Gegend eher gemobbt und vor allen Dingen nicht eingestellt.

 

Zum Termin kamen nur der Gegenanwalt und ich, selbst die Familie, die einziehen wollte, wollte nicht wissen, wen sie gerade aus der Gegend jagte. Gut, dachte ich, das werde ich ihnen dann nach dem Verfahren wohl schriftlich einmal zukommen lassen. Der Anwalt bestand auf einer sofortigen Zwangsräumung, und auf meine Mitteilung, dass ich in 4 Monaten eine Wohnung hätte, forderte ihn der Richter auf, einmal bei seinen Auftraggebern nachzufragen, ob sie dies denn nicht akzeptieren könnten. Dies tat der Anwalt dann auch und erklärte dann, nein, die Vermieter beständen auf eine sofortige Zwangsräumung. Daraufhin lehnte ich eine gütliche Einigung ab, und der Richter verurteilte mich zu der Zwangsräumung. Ich hatte weder Anwaltskosten noch Beratungshilfekosten erhalten, aber als Psychologin erklärte ich dem Richter in der an der Universität gelehrten Fachsprache, als er aufnehmen wollte, ich hätte nichts zu sagen, dass ich doch ganz gerne vermerkt hätte, dass ich in Rüdesheim als Integrationslotsin arbeite, Altenbetreuerin gelernt hätte und gerade versuche die Gesetze dieses Staates durchzusetzen, und dass ich für einen Deppenstaat, der solche Personen nicht schützt, nicht arbeiten wolle. Mein „Asylantrag“ für ein anderes Land wäre mit dem schriftlichen Bescheid des Urteils wohl bestätigt.

 

Natürlich war ich ziemlich wütend, als ich nach Hause kam und war mal wieder dankbar für die Ruhe meines Freundes, der auf meine Bemerkung: „Wahrscheinlich gibt es hier ein paar Lehrer, die gern meine Bücher hätten, deshalb müssen sie mich in den Ruin treiben. Das kennen die hier ja vom Unterricht, dass in Deutschland ja auch mal Judenhaare zu Handtaschen verarbeitet wurden!“ mit einem: „O.K., ich geh dann mal einkaufen und bring dir was zum Beruhigen mit!“ quittierte und sich dann erst einmal für einige Stunden verzog.

 

Da ich vom Lebensraum nichts mehr gehört hatte, meldete ich mich bei einer Gruppe meines Berufes und erzählte denen mein Schicksal. Die nette Antwort war, dass die Vermieter Recht hätten, sie hätten ja ein Jahr gewartet.

 

Das gab ich zu, gab aber zu bedenken, dass ich hier als Integrationslotsin die Gesetze des Staates durchsetzen würde, und dass ich deshalb wohl jetzt ins Ausland gehen müsste. Da dürfte ich dann im Handel arbeiten, wie unsere Migranten hier, und hätte schließlich genügend Geld, um mir ein Haus zu kaufen, und einen Bewohner meines Empfängerlandes aus dem Haus zu treiben.

 

Später überlegte ich mir, dass ich ja eine gebildete Frau bin, die die Möglichkeit zu einem Studium hatte, und dass ich dann wohl eher das Haus eines Deutschen kaufen würde, den das Empfängerland nicht mehr haben wolle.