Mein Herz für Arbeitslose

 

Wie es in meinem Umkreis bekannt ist, suche ich momentan eine Stelle. Und es ist schön, wenn frau zumindest am Weinstand bei einem süffigen Gläschen Wein darüber sprechen kann.

Diesmal saß ich im Kreis von mehreren Rentnern und Rentnerinnen, die auf meine Frage, warum ich, trotz, oder vielleicht wegen meiner vielen Diplome keine Stelle fände, verschiedene Antworten fanden. So meinte eine Rentnerin:

„Du bist immer so nervös. Das wirkt nicht sehr professionell. Vielleicht liegt es daran.“

„Ich hatte einen Zusammenbruch, weil ich wegen Studium und Ex-Freund im Krisengebiet überlastet war, und daher bleibt mir halt der kleine Tick.“

„Es gibt Menschen, die stört das. Und von jemandem in einer Führungsposition wird das anscheinend nicht akzeptiert.“

„Naja, ich bin wohl nicht die Einzige, die einen Zusammenbruch hatte und davon einen Tick zurück behält. Bei meiner Arbeit mit Arbeitslosen stört das überhaupt nicht, im Gegenteil, viele haben das gleiche Problem.“

„Deshalb sind sie wohl arbeitslos!“

„Das finde ich ja heftig – da hilft man oder frau im Ausland, wo sonst keiner hingehen will, damit es hier friedlich bleibt, und als Dank wird man dann weggepackt, wenn es im Heimatland um eine Stelle geht. Ich muss wohl wieder nach Frankreich gehen, für meinen ehemaligen Träger, der von einem Franzosen geleitet wurde, war das kein Problem.“

„Was sagt denn dein Freund dazu?“

„Na, ich könnte ja gut kochen.“

„Bei mir war das früher auch nicht einfach mit einer Stelle.“

„Warum?“

„Als ich Verkäuferin gelernt habe, durfte ich mich den ganzen Tag nicht hinsetzen. Daher habe ich heute einen Bandscheibenschaden.“

„Durftest du dich auch nicht auf einen Stuhl setzen, wenn kein Kunde da war?“

„Nein, dann auch nicht.“

„Oh, ich glaube, ich verstehe jetzt die HartzIV - Empfänger. Das hätte ich wohl nur eine Woche durchgehalten, dann hätte ich mich wohl auf die Auslagenregale gesetzt und wäre bestimmt gefeuert worden.“